Schloss Kempfenhausen

Schloss KempfenhausenKaum zu glauben, doch rings um den Starnberger See soll es acht Schlösser geben. Wer kritisch nachzählt, kommt allerdings oft "nur" auf sechs. Machen wir die Probe und fahren in Gedanken einmal rund um den See, beginnend mit Starnberg, einer ehemaligen Burg, heute ganz unromantisch Sitz des Finanzamts. Dann die Schlösser Possenhofen - wer denkt da nicht an Kaiserin Elisabeth? - und Garatshausen, das den Thurn und Taxis gehört. Sowie Tutzing, Sitz der Evanglischen Akademie, Ammerland mit den schönen Barocktürmen, das in kräftigem Gelbton über den See leuchtende Allmannshausen und Schloss Berg. Das wären sieben, gäbe es da nicht noch Schloss Kempfenhausen im Nordosten des Sees. Auf dem Moränenhügel mit einst herrlicher Sicht auf See und Berge ist das Schloss heute wegen hochgewachsener Bäume vom See aus nicht mehr zu sehen. Seit rund 500 Jahren steht es hier, in idyllischer Nachbarschaft zur Schlosskapelle Sankt Anna. "Kempfenhausen, ein neu erbauter Sitz, hat Arsatius Part, Bürger zu München," heißt es im Jahr 1524. Arsatius Part war einer der reichsten Münchner Patrizier, ein Handelsherr, der im einträglichen Salzhandel an entscheidender Stelle saß. Zu seiner Zeit war ein steinernes Haus an sich schon Ausdruck enormen Reichtums. Der Eigentümer von Possenhofen etwa hat sein dortiges Herrenhaus zunächst noch als Holzblockbau errichtet, und die Hofmarkssitze Unterallmanshausen und Niederstarnberg waren sogar hundert Jahre später noch aus Holz. Auch die drei Stockwerke zeugten von Reichtum, denn auf dem Land waren die meisten Häuser damals noch einstöckig. Arsatius Part konkurrierte so als reicher Bürger mit dem Adel - nicht ungewöhnlich im Zeitalter der Fugger. Heute, da wir ganz andere bauliche Dimensionen gewohnt sind, wirkt das für seine Entstehungszeit stattliche Gebäude eher bescheiden.

Romantisches Flair im Rittersaal

Prunkvolle Zeiten sah das Schloss unter dem Wittelsbacher Ferdinand Maria, der es 1678 erwarb. Der bayerische Kurfürst, Bauherr einer Prunkflotte auf dem Starnberger See, wusste Pracht durchaus zu schätzen und einzusetzen. Unter ihm war Kempfenhausen in die berühmten mehrtägigen Seefeste einbezogen, wegen seiner Lage oberhalb des Sees wohl aber nur am Rande. Heute gehört das Gebäude der Stadt München. Der schönste Raum ist der so genannte Rittersaal mit seiner historistischen Ausstattung samt Balkendecke, Wandvertäfelung und offenem Kamin im Stil der Renaissance. Hier finden ab und an Konzerte statt, auch kann man in diesem romantischen Ambiente sein Ja-Wort geben, denn die Gemeinde Berg nutzt den Saal als Standesamt.