Villenträume: Villa de Osa

Die Villenlandschaft am Starnberger See ist eine der bedeutendsten Deutschlands. Die reizvolle Lage unmittelbar am Wasser hat einst Sommerfrischler und Villenbauer hierher gelockt, und eben diese Lage macht die Villenkolonien bis heute zu einem doppelt lohnenden Ausflugsziel. Auch wenn Gärten und Gebäude den interessierten Besuchern verschlossen bleiben, lohnt doch ein Blick auf die kunstvoll gestalteten Fassaden und Dachlandschaften, etwa während einer Schiffsrundfahrt.

„Sehen und gesehen werden“

- so lautete einst das Motto. Die Gärten hatten breite Sichtachsen in Richtung See und meist auch nach Süden, des Bergblicks wegen. Die meisten Bauherren störte nicht, dass auch schon zu ihrer Zeit, vor über hundert Jahren, die Ausflügler auf den Dampfern nahe des Ufers vorbei fuhren - so sah man doch wenigstens, dass sie es zu etwas gebracht hatten! Sie lebten nur wenige Wochen des Jahres in diesen Villen, die meist reine Sommerhäuser waren. Erst seit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg werden sie das ganze Jahr über genutzt. Verständlich, dass sich die Bewohner nun zunehmend an den großzügigen Blickachsen störten, und sich freuten, wenn diese langsam zuwuchsen.

100 Jahre Villa de Osa

Villa de OsaZu den eindrucksvollsten Villen gehört die Villa de Osa in Kempfenhausen, gewiss während der Dampferfahrten einst mit zahlreichen "Ah!" und "Oh!" bewundert. Heute ist vom See aus im Wesentlichen nur die Dachpartie zu sehen. Durch einen wunderbar weitläufigen Park mit schönen großen Bäumen sind auch hier die früheren Sichtachsen Vergangenheit. Umso prächtiger die Ansicht, die sich von der Straße aus bietet. Wüsste man es nicht besser, man wähnte sich vor einem Barockschloss. Und tatsächlich hatte der Architekt des Gebäudes ein solches als Vorbild vor Augen: Schloss Solitude bei Stuttgart. Errichtet als Lustschloss des absolutistischen Fürsten Carl Eugen von Württemberg, der nicht zuletzt dank Schillers Drama "Kabale und Liebe" als prunkliebender Despot in die Geschichte einging.

Der Schönheit seines Schlösschens Solitude tat das keinen Abbruch. Gewiss waren es sein barocker Schwung und seine vornehme, schon ins Klassizistische spielende Eleganz, die den Architekten und die Bauherrin überzeugten. Augusta de Osa, Witwe des kolumbianischen Botschafters in Paris, ließ so 1909 eine der bemerkenswertesten Villen am Starnberger See errichten. Ihre Villa hat keine Schauseite und ist damit eine der wenigen, die ringsum gleichermaßen prächtig gestaltete Fassaden hat. Auch mit dem Rückgriff auf den Spätbarock ist sie eine Ausnahme, da Klassizismus, Landhausstil und historistisch-kunterbunte Mischarchitektur am Starnberger See dominieren. Nach dem Tod des letzten Mitglieds der Familie de Osa wurde die Villa in eine Klinik umgewandelt, weshalb in den Inneräumen nichts mehr an die alten Zeiten erinnert. Nur von außen lässt sich der vornehme und repräsentative Anspruch der Bauherrin noch erkennen.