Schenken & Vererben | Juli 2020

BadmannWarum Kinder aus früheren Beziehungen den Kontakt zu ihren leiblichen Eltern pflegen sollen

Meist ist die Beziehung zum neuen Stiefelternteil schwierig und unterkühlt.

Häufig versiegt der Kontakt mit dem Eintritt ins Berufsleben oder dem Wegzug an einen Studienort. Die neu verheirateten Elternteile beschäftigen sich mit ihrem neuen Partner und ihre gesamte Aufmerksamkeit gilt den Kindern aus zweiter Ehe.

Der neue meist jüngere Ehepartner wird durch Schenkungen oder durch testamentarische Erbeinsetzung wirtschaftlich abgesichert. Die Kinder aus früheren Beziehungen müssen dann nicht nur den Tod ihres Elternteils verkraften, sondern sie müssen auch um ihr gesetzlich verbrieftes Recht als Pflichtteilsberechtigte kämpfen.

Der Erbe ist zwar zur Auskunft verpflichtet. Wie sorgfältig und ordentlich er Auskunft über Schenkungen und die Erbschaft gibt, hängt auch davon ab, welche Vorkenntnis der Pflichtteilsberechtigte hat.

Ersteheliche Kinder sollten sich notieren, wieviel der Elternteil verdient hat, wann die Immobilie auf den Namen des Stiefelternteils angeschafft wurde, welche Schenkungen oder Erbschaften der Stiefelternteil in welcher Höhe gemacht hat, welche Schenkungen das Kind aus zweiter Ehe vom Erblasser wann erhalten hat (z. B. Mini Cooper S, gebraucht 1 Jahr, Wert ca. 17.000,00 EUR bei Schenkung im Mai 2019). Auch die Übereignung von Wertpapieren zu einem bestimmten Anlass im Depot bei der XY-Bank sind von entscheidender Bedeutung.

Bei Familienzusammenkünften sollten die fotografierten Personen so aufgenommen werden, dass auch Antiquitäten, Bilder und andere Luxusgegenstände gut sichtbar auf den Fotos zu sehen sind.

All diese Informationen sind über Jahre hinweg zu sammeln und zusammenzutragen. Nur wer gut vorbereitet ist, kann überprüfen, ob das Verzeichnis über den Nachlass und das Verzeichnis über die lebzeitigen Schenkungen, welches der Erbe (Stiefelternteil oder Stiefgeschwisterkind) vorlegt, richtig und vollständig ist.

Je mehr der Pflichtteilsberechtigte über die Einkommensverhältnisse, die Schenkungen und die Eigentumsverhältnisse des Verstorbenen weiß, desto sicherer können Zahlungsansprüche auf den Pflichtteilsanspruch durchgesetzt werden.

Es zahlt sich also in doppelter Hinsicht aus, mit den geschiedenen Eltern und ihren neuen Lebenspartnern enge und vertrauliche Beziehungen zu unterhalten. Möglicherweise lässt sich dadurch auch eine Benachteiligung im Vorfeld vermeiden.

Der Autor Robert Badmann ist seit 1996 selbständiger Anwalt, Steuerberater und Testamentsvollstrecker. Die Qualifikation als Fachanwalt für Erbrecht hat er im Jahr 2006 erworben und hat das Wissen stetig durch besuchte Fortbildungen erweitert und vertieft.
Er steht unter der E-Mail-Adresse info@kanzlei-badmann.de für einzelne Verständnisfragen gerne zur Verfügung.