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Schenken & Vererben | April 2020

BadmannDas Geschiedenentestament
zur Absicherung des Vermögens vor dem Exehepartner

Beispielsfall:
Die vermögende Mutter ist krebskrank, geschieden und hat noch minderjährige Kinder. Damit der Exehepartner als gesetzlicher Vertreter der minderjährigen Kinder nicht über ihr Vermögen, das sie an ihre Kinder vererbt, verfügen kann, muss sie testamentarisch vorsorgen.

Hier hilft nur die Gestaltung mit einer bedingten Vor- und Nacherbschaft und zusätzlich die Anordnung der Testamentsvollstreckung.

Wenn die Ehefrau einen Verwandten (z. B. Bruder) hat, kann sie diesen sowohl mit einer Vermögenssorgevollmacht in notarieller Form ausstatten und gleichzeitig zum Testamentsvollstrecker ernennen.

Die Kinder werden in ihrem Testament nur Vorerben. Nacherben auf den Tod der Vorerben sind die noch nicht geborenen Abkömmlinge (Enkel). Der Nacherbfall kann aber auch schon früher eintreten. Das kann der Fall sein, wenn die Nacherbenstellung bei Eintritt einer Bedingung wegfällt.

Das kann z. B. der Fall sein, wenn der Exehemann verstorben ist oder das Vorerbenkind ein gewisses Alter erreicht hat (z. B. das 25. Lebensjahr vollendet).

Wenn die Bedingung so gestaltet ist, erstarkt die treuhänderische Vorerbschaft zu einer unbeschränkten Vollerbschaft. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Exehepartner am Vermögen der Frau partizipiert.

Hinweis:
Die Nachfolgeregelung mit Vor- und Nacherbschaft ist extrem kompliziert und risikobehaftet. Bei normalen Fällen sollten die Worte Vor- und Nacherbschaft keinesfalls verwendet werden. Sie verursachen ungewollte Rechtsfolgen und Probleme. Nur in wenigen Ausnahmefällen wie dem oben genannten Geschiedenentestament oder dem klassischen Behindertentestament ist dieses hoch gefährliche Gestaltungsmittel mit Beratung eines Fachanwalts sinn-voll.

Der Autor Robert Badmann ist Fachanwalt für Erbrecht und Steuerberater und steht unter der E-Mail-Adresse info@kanzlei-badmann.de für einzelne Verständnisfragen gerne zur Verfügung.