Schenken & Vererben | Oktober 2019

BadmannFragestellungen rund um den Erbfall
Teil 1 - Braucht man in jedem Fall einen Erbschein?


1. Grundstücke im Nachlass

Wenn sich im Naschlass ein Grundstück befindet, muss das Grundbuch berichtigt werden. Voraussetzung für die Berichtigung ist eine öffentliche Urkunde, aus der sich eindeutig die Erbfolge ergibt. Bei einem privatschriftlichen Testament wird die Erbenstellung durch den Erbschein bekundet.

Bei einem notariellen Erbvertrag oder einem notariellen Testament ergibt sich die Erbfolge aus einer Niederschrift des Nachlassgerichts und einer Ausfertigung der notariellen Urkunde. Nur mit diesen beiden Urkunden zusammen kann das Erbrecht nachgewiesen werden.

2. Beweglicher Nachlass – Auseinandersetzung ohne Erbschein

Ist nur beweglicher Nachlass vorhanden (Wohnungseinrichtung und persönliche Sachen usw.), dann wird in aller Regel eine schriftliche Einigung unter den Miterben über die Verteilung des Nachlasses genügen. Diese muss von allen Miterben mit Angabe von Ort und Datum unterzeichnet werden.

3. Kapitalvermögen – Auseinandersetzung aufgrund einer transmortalen Vollmacht

Bei den Banken genügt es, wenn ein Miterbe eine Bankvollmacht hat oder eine notarielle General- und Vorsorgevollmacht. Über 90 % dieser Vollmachten sind transmortal. Das bedeutet, dass sie über den Tod hinaus gelten und dass ab dem Sterbezeitpunkt der Bevollmächtigte im Namen und für Rechnung der Erbengemeinschaft handelt.

Auch wenn der Bevollmächtigte Miterbe ist, kann er gegenüber der Bank die Konten auflösen und Überweisungen vornehmen (rechtliches Können).

Davon zu unterscheiden ist jedoch das rechtliche Dürfen im Verhältnis zu den Miterben. Hier ist vorab die Zustimmung der anderen Miterben erforderlich.

Der Autor Robert Badmann ist Fachanwalt für Erbrecht und Steuerberater und steht unter der E-Mail-Adresse info@kanzlei-badmann.de für einzelne Verständnisfragen gerne zur Verfügung.