Mit den Ohren schauen - Ausblick von Aidenried

Aidenried thumb Augen zu hier oben auf dem Hügel. Der Wind bewegt die Äste der beiden Bäume über mir, die fest miteinander verschlungen das Kreuz mit dem Gekreuzigten umrahmen. Die kleine Anhöhe nördlich von Aidenried hoch über dem Südufer des Ammersees ist ein Ort, an dem man für sich sein kann. Die Stimmen der beiden Spaziergänger, die kurz vor meiner Ankunft aufgebrochen sind, werden schon leiser. Gelächter dringt an mein Ohr, Gespräche verebben, der Traktor links von mir wird gestartet und rollt davon. Dann ist es ganz still. Oder doch nicht. Jetzt höre ich schräg vor mir Vogelstimmen. Weiter weg, in den Schilfzonen des Naturschutzgebietes am Ammer-Delta unterhalb des Moränenhügels, wo die größte Vielfalt an Brutvögeln des Ammersees beherbergt wird. Von hier oben genoss ich schon bei meiner Ankunft das gleißende Abendlicht. Je mehr ich mich jetzt in diesen Augenblick und diesen Ort vertiefe, desto mehr tauche ich ein in diese Akustiklandschaft. Es müssen Hunderte von Vögeln sein, die ich höre. Ein Gekreische teils, teils aber klar definierte Laute. Durch die Augenlider nehme ich die Helligkeit der Abendsonne wahr. Den Kopf etwas weiter gedreht und ich weiß, ich blicke Richtung Dießen und Ammersee. Dieser Ort ist wie eine Insel, die aus dem Alltag ragt. Eine Erholungsinsel, die Auszeit schenkt. Mehr braucht man nicht, um abzuschalten – und das mitten in der Heimat.