Museale Kostbarkeiten im Buchheim Museum

Der Löwen-Buddha im Buchheim Museum

Zu den herausragenden Einzelstücken der Sammlung Buchheim gehört eine Skulptur des liegenden Buddha, die erst kürzlich aus dem Depot in die Ausstellungsräume geholt wurde. Sie zeigt Buddha nicht in der bekannten sitzenden, sondern in vergleichsweise selten dargestellter liegender Haltung. In völlige Entspannung hingesunken sehen wir ihn in jenem Moment, in dem er im Begriff ist, den Kreislauf des Irdischen zu verlassen und in die Nirvana genannte Dimension überzuwechseln. Er geht, im Moment seines Todes, hinüber in das Nicht-Vorstellbare. Da dieses Nicht-Vorstellbare natürlich auch nicht darstellbar ist, hielt man es in der Frühzeit des Buddhismus für nicht angebracht, den der Welt Entrückten mit den Ausdrucksformen der sichtbaren Welt darzustellen. Statt dessen wählte man Symbole, in diesem Punkt übrigens ähnlich dem frühen Christentum. Auch der Lotusthron, eines dieser Symbole Buddhas, wurde zunächst leer dargestellt.

BuddhaDie letzte Reise des Erleuchteten

Erst gut 300 Jahre nach dem Tod des Erleuchteten - nichts anderes heißt “Buddha” - entstanden die ersten bildlichen Darstellungen dieses Mannes, der sein Leben als Prinz Siddharta Gautama begonnen hatte. Der Formenkanon, der dabei entstand, ist für ganz Asien gültig, also auch für den in „Löwenhaltung“ liegenden Buddha im Buchheim Museum. Er stammt aus Thailand, seine Entstehung wird auf circa 1750 datiert. Die hohlgegossene, lackierte und teilvergoldete Figur ruht auf einem von Lotusblättern eingefassten Sockel. Lotus wird - hier vergleichbar mit der Lilie in der christlichen Symbolik - mit absoluter Reinheit gleichgesetzt, denn seine Blüten wachsen im Morast, ohne sich zu beschmutzen.

Interessant sind auch Details: So sind etwa die Ohrläppchen in die Länge gezogen, da er als junger Prinz schweren Schmuck getragen hat. Jetzt trägt er überhaupt keinen mehr. Die goldene Farbe auf seinem Kopf und seinem Mönchsgewand steht für Wahrheit und Weisheit, das denkbar Kostbarste. Die halbrunde Scheitelerhebung ist Symbol der Erleuchtung. Die abgebildete Pose steht in indischer Tradition und leitet sich aus dem sogenannten „Mahaparinirvana-Sutra“ her, in dem es heißt: „Zwischen zwei Salabäumen, das Haupt gen Norden gerichtet, bereitete Ananda (sein Lieblingsjünger) ihm eine Ruhestätte. Da ließ sich der Erhabene gleich einem Löwen auf der rechten Seite nieder, während er den einen Fuß mit dem anderen bedeckte.“ Die leicht geöffneten Augen stehen für klarstes Bewusstsein, obwohl der Tod, die letzte Reise des Erleuchteten, unmittelbar bevorsteht.

Das Buchheim Museum in Bernried hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Foto: Detail des Buddha in "Löwenhaltung". Die leicht geöffneten Augen stehen für klarstes Bewusstsein, obwohl der Tod unmittelbar bevorsteht. Buchheim Museum