Niemals wieder! 300 „Mahnblumen“ für Penzberg

Niemals wieder!

300 „Mahnblumen“ für Penzberg zum 75. Gedenkjahr der Mordnacht

Museum Penzberg Mahnblumen 2020 08300 „Mahnblumen“ für die Stadt Penzberg: Zum 75. Gedenkjahr der Penzberger Mordnacht werden die roten Blüten des Künstlers Walter Kuhn an den Orten des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Unter dem Motto „Niemals wieder!“ stehen die Friedenszeichen von 17. Oktober bis 6. Dezember am Stadtplatz, am Platz „An der Freiheit“, auf dem Friedhof sowie am Museum als Kunst im öffentlichen Raum. Im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk werden die Hintergründe zur Mordnacht im dauerhaften Themenraum aufgezeigt, ergänzt von einer Installation rund um die Mahnblumen. In der Ausstellung werden darüber hinaus Werke von Otto Dix, Walter Kuhn sowie den Gewinnern des Fotowettbewerbs zu „Niemals wieder!“ zu sehen sein.

Der Aktionskünstler Walter Kuhn hatte im Herbst 2018 auf dem Münchner Königsplatz ein Meer mit 3000 Mohnblumen als Mahnmal für den Frieden errichtet, das zur absoluten Attraktion wurde. Das Kunst- und Friedensprojekt geht seitdem regional und international weiter. Für Penzberg entwickelte der Künstler ein eigenes Konzept: Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, die Ermordung von 16 Männern und Frauen in Penzberg durch NS-Anhänger am 28. April 1945 – wenige Tage vor Kriegsende – in Erinnerung zu bringen. Die Widerständler gegen das NS-Regime wurden am Platz „An der Freiheit“ erschossen. In jener Nacht erhängten die „Werwölfe Oberbayern“ außerdem zur Abschreckung sogenannte „politisch unzuverlässige“ Penzberger in der Bahnhof-, Karl- und Gustavstraße. Das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk widmet sich diesem Thema dauerhaft. Die „Mahnblumen“ sollen als temporärere Installation das Gedenken vertiefen.

Wegen der Pandemie-Maßnahmen musste die Aktion von April auf den Herbst 2020 verlegt werden. Das Projekt kann nun sieben Wochen lang den entsprechenden Raum im Museum und in der Stadt bekommen und die Totengedenktage mit einbeziehen. Zudem wird an die Verbrechen während der Novemberpogrome (7. bis 13. November) und die sogenannte „Reichskristallnacht“ erinnert, während derer das NS-Regime massive Ausschreitungen gegenüber Juden veranlasste. Darüber hinaus gilt der 11. November als Ende des Ersten Weltkrieges. Zu diesem Anlass hatte Walter Kuhn vor zwei Jahren den Münchner Königsplatz bespielt.

Seine Bilderserie der „Gueules Cassées“, der kriegsversehrten Gesichter, hat Walter Kuhn inzwischen explizit für Penzberg erweitert. Er bezieht sich dafür auf Otto Dix‘ Grafiken „Der Krieg“ (1924), wovon eine Auswahl hochkarätiger Leihgaben aus dem Buchheim Museum Bernried gezeigt werden kann. Ergänzt wird die Schau von Videos sowie von Arbeiten der Preisträger*innen des zur Ausstellung ausgelobten Fotowettbewerbs.

Mit der Kunst im öffentlichen Raum kann sich Penzberg an eine Form des kulturellen Gedenkens jenseits aller Museumsmauern anschließen und die Friedensbotschaft über die lokalen Grenzen hinaus weiterverbreiten. Eine aktive, ideelle sowie finanzielle Einbindung der Bürger*innen durch Übernahme von Blumen-Patenschaften ist weiterhin möglich. Unmittelbar nach Beendigung der Aktion gehen die Blumen in den Besitz ihrer Paten über und können am Museum abgeholt werden. Außerhalb des Museums werden die etwa hüfthohen „Mahnblumen“ aus leuchtendroter Kunstseide mit einem Blütendurchmesser von 70 Zentimetern ein auffälliges temporäres und vielleicht auch dauerhaftes Mahnmal sein: Sie werden als Zeichen des Friedens nicht nur im öffentlichen Raum genutzt, sondern gerne auch in Vorgärten gestellt oder aber bei Kundgebungen und Demonstrationen für den Weltfrieden mitgetragen. So auch am 2. Dezember 2019, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Moschee in Penzberg besuchte. Die Pegida-Anhänger hatten zu einer Demonstration aufgerufen. Hierzu bezogen Penzberger Bürgerinnen und Bürger mit rund 60 „Mahnblumen“ Stellung.

Info: www.museum-penzberg.de