Zum 150. Todesjahr König Ludwigs I. (1786 – 1868)

Delphin

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Wie ein König unfreiwillig zu einem besonderen Schiff kam….

König Ludwig I., dessen Todesjahr sich heuer zum 150. Mal jährt, hat am Starnberger See sehr wenig Spuren hinterlassen. Genaugenommen nur eine richtig schöne und die auch noch nicht absichtlich. Die Rede ist vom „Delphin“, jenem kleinen, feinen Ruderboot, für dessen geeignete Aufstellung der Erweiterungsbau des Museums Starnberger See konzipiert wurde. So eindrucksvolle Spuren Ludwig I. in der Residenzstadt München und anderorts in Bayern hinterlassen hat, das Fünfseenland stand nicht wirklich auf seiner Agenda. Der „Delphin“ diente vor allem dazu, Gattin Therese und die Kinder von Percha, wohin man mit der Kutsche gelangte, weiter zum Schloss Berg zu bringen. Von Sohn Maximilian und Enkel Ludwig wissen wir, wie eng sie hingegen dem Starnberger See verbunden waren. Ludwig I. bevorzugte bei Weitem Sommerfrischen in Bad Brückenau, Bad Kissingen, in Aschaffenburg oder in Berchtesgaden.

Der „Delphin“ ist letzter Repräsentant der höfischen Schifffahrt auf dem See

Als Anfang April 1838 Graf von Rechberg vom Obersthofmeisterstab, der Vorgängerbehörde der heutigen Schlösserverwaltung, in einem Brief an König Ludwig I., untertänigst anfragte, ob das neue Gondelschiff in Starnberg, das schon seit einigen Jahren fertig sei, eine Bugfigur erhalten solle und wenn ja, welche, traf er auf harsche Antwort seiner Majestät. Diese wollte wissen, wer und wann überhaupt den Befehl zum Bau eines Schiffes gegeben habe. Es stellte sich heraus, dass die Behörde solche Aufträge aus eigenem Ermessen bei Bedarf tätigte und das Ruderboot deshalb schon 1834/1835 in Auftrag gegeben hatte. Den Vorschlag für die Bugfigur eines Hirschen lehnte Ludwig ab und entschied sich für einen einfachen Delphin. Auch sollten Kosten gespart werden, weswegen auf eine Vergoldung verzichtet und eine Farbfassung in Chromgelb gewählt wurde. Und so steht der „Delphin“ – fast wie einst 1838 gebaut – heute im Museum Starnberger See, übrigens mit dem grünen Anstrich, den Ludwig angeordnet hatte.

Die Odyssee des „Delphin“

Dass der „Delphin“ die Zeiten relativ unbeschadet überstanden hat und heute ein Prunkstück des Museums Starnberger See ist, ist schon fast ein Wunder. Weitgehend außer Dienst, nachdem König Maximilian II. sich ein eigenes Dampfschiff zulegt hatte, wurde er 1912, als das Heimatmuseum eingeweiht wurde, in einem Stadl neben dem Museum deponiert. Sein Dornröschenschlaf dort wurde nur 1949 bei einem Auftritt beim Oktoberfesttrachtenzug unterbrochen und nochmal beim 50 jährigen Bestehen des Heimat- und Volkstrachtenvereins 1957. Ende der 1970er Jahre gründete sich der Förderverein Südbayrisches Schifffahrtsmuseum mit dem Ziel, durch ein eigenes Museum in Stegen den „Delphin“ zu einem seiner Schaustücke werden zu lassen. Für die Ausstellung „Interboot“ in Friedrichshafen wurde er deshalb 1980aus dem Schuppen beim Museum geholt, reichlich verdreckt und restaurierungsbedürftig. Anschließend fand für zehn Jahre der „Delphin“ im alten Pfarrstadl in Perchting eine neue Heimat. Ein verheerendes Feuer, bei dem das Schiff nur durch die Meisterleistung der Feuerwehren unversehrt gerettet wurde, zwang erneut zum Umzug, diesmal nach Söcking in die Bergehalle eines Landwirts. Das Happy-end und hoffentlich der letzte Aufenthaltsort für das von König Ludwig I. nicht besonders gewollte, aber nunmehr hochgeschätzte Schiff kam mit dem Museum Starnberger See. Übrigens: Dass Ludwig mit seinem Gspusi Lola Montez auf dem „Delphin“ zärtliche Stunden verbracht habe, ist schön erfunden, aber leider nicht wahr!