Literarischer Herbst

2018 10 Literarischer Herbst Peter Gaymann

„Echt wahr?!“

im Literarischen Herbst

Was ist wahr? fragen die beiden Kulturgestalter Dr. Gerd Holzheimer und Elisabeth Carr (KunstRäume am See) in den besonderen Räumen, die sie in diesem Herbst mit kulturellem Leben füllen. „Echt wahr?!“ kann, besonders in Zeiten von „alternativen Wahrheiten“ und „fake news“, je nach Betonung als Zweifel, Erstaunen, Nachfrage oder auch als Aussage mit Nachdruck aufgefasst werden.

Jede Wahrheit sieht anders aus
Märchenhaft wird z.B. das Max-Planck-Institut Erling-Andechs aus seinem Dornröschenschlaf ausgerechnet dann wachgeküsst, wenn der Schlafforscher Prof. Jürgen Zulleyim „Schlafbunker“, in dem er einst die innere Uhr des Menschen erforschte, jetzt sein „Stationentheater“ aufbaut (21.9.). In den Volieren und im Wieninger Schlösschen erzählen Judith Huber und Peter Weiß, musikalisch begleitet von Maria Reiter und Esther Schöpf, poetische Geschichten zum Verhalten des Menschen und zum Orientierungsvermögen von Vögeln - Themenbereiche, die hier jahrzehntelang Wissenschaftler von Weltrang erforschten.

Ein ebenso finsteres wie furchtbares Kapitel der deutsch-chilenischen Geschichte erhellen auf dem Gelände der Asklepios Klinik in Gauting Clara Holzheimer sowie Hermann Geiger, genialer Spurenfinder und Sammler aus Unterbrunn und Horst Rückert, ehemals Lehrer in Chile und Buchautor. Es geht um ein „Bayerisches Dorf in den Anden“, die berüchtigte „Colonia Dignidad“, die alles andere als „würdig“ war, sondern ein pädosexuelles Paradies für ihren Gründer (22. 9.).

Garantiert wie im echten Leben
geht es in den Cartoons von Peter Gaymann zu, sei es bei den „Paarproblemen“ oder bei den menschlichen Hühnern, die in der Sauna sitzen, Yogakurse belegen oder sonst wie den Sinn des Lebens suchen. In seinem zum Wohnatelier ausgebauten „Marienhof“, dem ehemaligen Gasthaus der Gemeinde Hohenschäftlarn/Neufahrn, präsentiert der Zeichner dieser komischen Bilder sich und seine Arbeitsweise (28.9.).

Auf einer Wanderung von der noch echt funktionierenden Gastwirtschaft Maisinger See durch das Naturschutzgebiet nach Jägersbrunn blättert der Pädagoge Thomas Lenz im wahren Buch der Natur und Kultur(30.9.). Und in Jägersbrunn, der ältesten Jugendherberge Bayerns und jetzigem Tabaluga-Haus, erzählt Albert Luppart, Geschäftsführer der Tabaluga-Stiftung, von der Geschichte und Jugendarbeit des Hauses.

Oha!
Oskar Maria Grafs Heimatgemeinde erkundet Katja Sebald auf ihrem Gang von der Grafstr. 9 in Berg aus über die Kirche zum Brauhaus (6. 10.). „Alles fließt“ in der „unterirdischen Kathedrale“, respektive dem Wasserhochbehälter Oberes Mühltal, den Matthias Friedrich besucht, von wo aus es zu Fuß hinunter zum alten Pumpwerk gegenüber der ehemaligen Gaststätte Würmtal geht (13.10.). Passend zum Thema „Erotik und Liebe im Werk des Malers Josef Oberberger“ schließlich liest Laura Maire Texte und Willi Holderried kuratiert die Ausstellung dieses im Unteren Schloss Pähl (2.11.): „Im Spiegel der Sehnsucht“. Echt wahr - mehr geht nicht!

Karten: kontakt@kunstraeume-am-see.de oder Tel. 08151/90600