Literarischer Herbst: 20 Jahre – und kein bisschen müde

Literarischer Herbst: 20 Jahre – und kein bisschen müde

Literarischer Herbst
Veranstalter Gerd Holzheimer und Elisabeth Carr © Dr. Ulrike Mertz

Zum Jubiläumsjahr offenbart das Programm 2022 die kulturelle Fülle und Dichte des Landkreises. Zu den bewährten Stätten, in denen der Literarische Herbst zu Gast sein darf, kommen immer wieder neue Stationen hinzu, von denen die Veranstalter Gerd Holzheimer und Elisabeth Carr selbst staunend feststellen: Hier war der Karl Roth (der frühere Landrat und vor Stefan Frey Schirmherr der Reihe) garantiert noch nicht! Man fragt sich im Landratsamt, „wie kommen die da überall rein?“ Und gibt gleich selbst die Antwort, „weil man ihnen nichts abschlagen kann!“

Jede Veranstaltung ist wie seit jeher ein Unikat, auch wenn man sich über bekannte Gesichter und Stimmen freuen darf. Zum vierten Mal ist das gastfreundliche Haus Buchenried in Leoni der „Salon-fähige“ Spielort, an dem Holzheimer und Carr gern länger blieben, weil sie meinen, dass ein Wochenende für die erschöpfende Beleuchtung der deutschen und europäischen Salonkultur nicht ausreiche.

Ein überraschender Glücksfall ist es, wenn private Häuser ihre Pforten öffnen. So lädt heuer z.B. das Hochstädter Haus Beblo in den gleichen Raum ein, in dem der berühmte Karikaturist Ernst Maria Lang einst selbst seine Autobiographie vorgestellt hat. Und im Haus Heidelberg, das sich der ganz dem „Bauhaus“ verpflichtete Bauherr in der Nachbarschaft zum Haus von Hildegard Knef in Kempfenhausen errichtete, erlebt man die skandalträchtig umwitterte „letzte Diva Deutschlands“ und „Chansonniere ohne Stimme“, die damals mit ihrem Gast, dem Schriftsteller Henry Miller, durchs Manthal nach Harkirchen spazierte.

Glück hatte das Publikum des Literarischen Herbstes, das gerade noch in die Villa Miller in Niederpöcking kam, bevor diese wegen der anstehenden Generalsanierung für lange Zeit geschlossen sein wird. Dem Starnberger Schuhhaus Linse, das in den 50er Jahren ein mit roten Samtsesseln ausgestattetes Kino mit dem schönen Namen „Schlosstheater“ war, droht gar der Abriss. Also, nix wie hin!