Kunst in der Kolonie in Gauting

Musikalisch-literarische Hausbesetzungen

Kein Überfall: Es geht mit rechten Dingen zu, wenn an einem Abend 30 oder mehr Besucher ein Haus in der Villenkolonie in Gauting betreten. Es kann sein, dass hier eine der Veranstaltungen aus der Reihe „Kunst in der Kolonie“ stattfindet. Es sind angemeldete kulturinteressierte Menschen, die im Wohnzimmer Platz nehmen und eine Lesung oder ein Konzert genießen. Pausen gibt es keine, nur ein Gläschen Wein rundet am Schluss den Abend ab.

15 Veranstaltungen dieser Art haben die beiden in Gauting wohnenden Schauspieler Sebastian Hofmüller und Matthias Friedrich in den letzten Jahren bereits organisiert. Hofmüller ist sogar in der Kolonie aufgewachsen und weiß aus Erzählungen, dass es früher üblich war, dass die Bewohner der Künstlerkolonie für ein spontanes kreatives Miteinander zusammenkamen.

Kunst in der Kolonie Im Würmtal gibt es genügend kommerzielle Kulturangebote. Das Besondere bei „Kunst in der Kolonie“ ist der freie Eintritt (Spenden sind für die Künstler und zur Kostendeckung aber gerne gesehen) und das Spontane: Es gibt keine klare Linie, viele Programmpunkte entstehen durch die gute Vernetzung mit anderen Künstlern. So traf Hofmüller vor dem Gautinger Kino zufällig den Hollywood-Schauspieler Götz Otto, der in Krailling wohnt und gleich bereit war mitzumachen. Im Herbst wird auch aller Voraussicht nach Jutta Speidel dabei sein.

Trotzdem geht der Interimscharakter nicht verloren, denn der Kreis ist begrenzt. In die Wohnzimmer passen je nach Haus einfach nur 35 bis 60 Personen hinein. Somit ist es auch gar nicht möglich, alles auf eine größere organisatorische Ebene zu heben.

Natürlich muss man auch Vertrauen aufbauen zu den Hausbesitzern. Manchmal klappt es auch nicht gleich. Da Hofmüller aber inzwischen 80 % der Besucher kennt, darunter sind sehr viele Stammgäste, und mit den anderen Mail- oder telefonischen Kontakt hat, ist Angst vor dem Fremden nicht nötig.

Hofmüller ist von der Offenheit der Bewohner auch immer wieder überrascht. Ein Hausbesitzer sagte kurzfristig ab, er fragte als Ausweichquartier zwei Häuser weiter an. Dieser sagte spontan zu. „Da wohnt man nebeneinander und kennt sich kaum und wie einfach ist es, sich kennen zu lernen.“ Oft ergeben sich dann oft noch ganz neue Verbindungen, über berufliche oder private Themen. Dann rückt das alles plötzlich so nah zusammen.

Warum sie diese ganze Organisation übernehmen? „Weil es richtig Spaß macht, wenn der Ludwig Seuss spielt und 70 Leute im Wohnzimmer abrocken und du bist einer davon, der daran schuld ist…“

Wer dabei sein möchte, schreibt am besten eine Mail an info@sebstianhofmueller.de oder ruft an unter Telefon 089/99163912 und lässt sich in den Verteiler aufnehmen, dann erfährt man jeweils den nächsten aktuellen Termin. Es gibt auch immer eine Warteliste.