Im Vorbeigehen Neues entdecken: Der Kulturspaziergang Berg

Wer aufmerksam durch die Gemeinde Berg spaziert, entdeckt seit einigen Jahren bunte Tafeln mit lesenswerten Texten und interessanten Bildern. Im Herbst 2008 fing es an mit Aufkirchen und Aufhausen, mittlerweile fehlen nur noch Mörlbach, Farchach und Höhenrain - alle anderen Teilorte der großen Flächengemeinde Berg haben ihn schon: ihren Kulturspaziergang. Vorbild war der "Starnberger Kulturspaziergang", eine Idee der Leiterin des dortigen Kulturamts Annette Kienzle, die von Erika Laurent, Joachim Wenzel und Christoph Eisenhut aufgegriffen und auf Berger Verhältnisse umgemünzt wurde.

Vom Schloss ...

Kulturhistorisch bemerkenswerte Orte gibt es hier genug, nicht zuletzt in Berg selbst, wo der Spaziergang - wo sonst? - beim Schloss beginnt. Nicht nur wegen des tragischen Tods König Ludwigs II. hat dieses Schloss für den Münchner Hof eine wichtige Rolle gespielt. Wer die ansprechend gestaltete Tafel studiert, wird durch Abbildungen alter Gemälde neugierig gemacht auf mehr und wird dann im Text fündig. 500 Jahre Geschichte werden hier unterhaltsam aufbereitet. Auch ein Ortsplan mit den Standorten der anderen Tafeln ist abgebildet, so dass auch Ortsunkundige die nächste Station finden können. Zunächst geht es zur Votivkapelle, dann hinauf nach Oberberg zu der kleinen Kirche Sankt Johann Baptist. Ihr kleiner Dachreiter, so erfährt man, war ein Geschenk König Ludwigs.

... zu Oskar Maria Graf ...

Ein Höhepunkt für Freunde der Literatur ist die nächste Station: das Geburtshaus Oskar Maria Grafs, wo einen nicht nur alte Fotos, sondern auch Lektüretipps erwarten. Weitere Stationen sind der historische Ortskern mit seinen Höfen, von denen der Kramerfeicht dank Oskar Maria Grafs Geschichten sicherlich der bekannteste ist. Sodann das moderne evangelische Katharina-von-Bora-Gemeindezentrum: Hier wird die Geschichte der Protestanten am See erzählt und die Namensgeberin vorgestellt, die Ehefrau Martin Luthers und überzeugte Anhängerin der Reformation.

... und zurück zum See

Die Wegkapelle Sankt Anna am Rand des Orts ist die letzte Station im einst bäuerlichen Oberberg, dann geht es wieder hinunter zum Ortsteil am See, wiederum auf den Spuren König Ludwigs, der den ehemaligen Marstall erbauen ließ. Nicht minder faszinierend ist die Geschichte der nahen Ölmühle, die seit mehr als 300 Jahren im Besitz der gleichen Familie ist. Direkt am Dampfersteg bietet die letzte Station einen herrlichen Blick über den See und Informatives zu seiner Entstehung in der letzten Eiszeit. A propos Eis: jetzt ein Eisbecher, ein Kaffee oder ein Tee, natürlich mit Blick über den See als Abschluss dieses Spaziergangs ... das wär's doch! Unter www.gemeinde-berg.de kann man den Kulturspaziergang Berg übrigens auch virtuell erleben.