Josef Lang- ein Meister mit der Kettensäge

Josef Lang
ein Meister mit der Kettensäge

Josef Lang
Josef Lang mit seinen „Riesen“, hier dem „Ahnenträger“, auf dem Klostergelände
von St. Ottilien in Eresing

Der Bildhauer geht im Sinne der Kunst meisterlich mit seinem Arbeitsgerät um, einem eher grob-schlächtigen, unhandlichen, schweren und fast „Kunst-fremd“ erscheinenden Werkzeug. Zugleich ist er ein „Handwerks-Meister“, der sein Metier von der Pike auf gelernt hat.

Von der Wirklichkeitstreue zur Abstraktion

Josef Lang, 1947 in der Nähe von Bad Tölz geboren, arbeitet nach einer kaufmännischen Ausbildung zunächst in seinem Beruf, absolviert dann 1977 eine Steinmetzlehre und studiert von 1979 bis 86 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1985 erhält er ein Stipendium an Accademia di Carrara, in den berühmten Marmorsteinbrüchen also, aus denen auch Michelangelos David stammt. Dennoch wendet sich der Bildhauer später vom Material Stein ab und seiner frühen Liebe, dem Holz zu. Schon als Bub hatte er hölzerne Fundstücke seiner ländlichen Umgebung mit dem Messer bearbeitet, jetzt schnitzt er naturalistische Figuren in der Manier alter Meister wie Tilmann Riemen-schneider. Erst mit Kettensäge, Flex und Kreissäge gelingt ihm die Abstraktion, die seinen Skulpturen Ausdruck und Charakter verleiht und ihren Schöpfer Auszeichnung um Auszeichnung einheimsen lässt. Seine im Atelier in Denklingen (Kreis Landsberg am Lech) entstehenden „schutzbedürftigen Riesen“ drücken Grundzüge menschlichen Empfindens wie Verletzlichkeit und Nervosität, Verwunderung und Neugierde, Schalk und Übermut aus. Unbeholfen auf klobigen Füßen stehend, kommunizieren die monumentalen „Holzmenschen“ untereinander und sprechen mit dem Betrachter durch Haltung und einfache Gesten.

Klostergelände und Galerie St. Ottilien

Langs Figuren stehen überall in der Republik und sind an seiner typischen Handschrift eindeutig zu identifizieren. Der 2007 gegründete Verein Vis-à-vis e.V. - seine Gründungsmitglieder wohnen in Eresing gegenüber (eben vis-à-vis) der Dorfkirche - hat sich die Förderung zeitgenössischer Kunst im ländlichen Raum zum Ziel gesetzt. Die aktuelle Sommerausstellung „Der Bildhauer Josef Lang – Retrospektive“ zeigt einen Überblick über die verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers. Das große Freigelände um die Klosterkirche mit altem Baumbestand, Grünflächen und Gebäuden, gleichzeitig Kunstraum und Naturraum, bietet einen naturromantischen Rahmen, um die überlebensgroßen Figuren in ein gewachsenes Umfeld zu integrieren. Kleinere Arbeiten, Zeichnungen und kleinformatige Objekte sind in der Galerie St. Ottilien zu sehen.

Ausstellung bis 21.09.2019 in St. Ottilien, Eresing