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Aktuell im Buchheim Museum: Paula Modersohn-Becker - Aufbruch in die Moderne

Paula Modersohn-Becker - Aufbruch in die Moderne

"Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? (. . .) Mein Leben ist ein Fest, ein kurzes intensives Fest", notiert Paula Becker im Sommer 1900 in ihrem Tagebuch. Mit dieser Vorahnung sollte die junge Malerin recht behalten: Am 20. November 1907 stirbt sie mit nur 31 Jahren in Worpswede bei Bremen an einer Embolie, zwei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde.

Von Bremen über Berlin nach Worpswede

Paula Becker, als drittes von sieben Kindern am 8. Februar 1876 in Dresden geboren, zog 1888 mit der Familie nach Bremen und machte auf Wunsch der Eltern das Examen als Lehrerin. Ab 1896 nahm sie in Berlin Zeichenunterricht und ließ sich von Jeanna Bauck in der Portraitmalerei unterweisen. Die Schwedin Bauck, die an der Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen und auch an der „Damenakademie“ in München unterrichtete (Frauen waren damals an den Kunstakademien nicht zugelassen), zählt zu den wenigen professionell etablierten Malerinnen und hatte in Barbizon die „Plein-Air-Malerei“ studiert. Ein Hauptvertreter der Schule von Barbizon, Camille Corot, inspirierte wiederum die Worpsweder Maler. 1897 zog Paula Becker in dieses Künstlerdorf, nahm Kunstunterricht bei Fritz Mackensen, knüpfte eine enge Freundschaft zur Bildhauerin Clara Westhoff, der späteren Ehefrau des Dichters Rainer Maria Rilke und lernte den angesehenen, elf Jahre älteren Moormaler Otto Modersohn kennen, den sie 1901 heiratete. Otto unterstützte sie bei ihrer Arbeit materiell und ideell, denn er ist überzeugt: "Keiner kennt sie, keiner schätzt sie. Das wird einmal anders werden". Zwar blieb der Künstlerin zu Lebzeiten die Anerkennung versagt, sie verkaufte nur drei Bilder und die Kritik zu ihrer ersten Ausstellung 1899 in der Bremer Kunsthalle war vernichtend, aber auch er hatte mit seiner Vorahnung recht.
Wegbereiterin der internationalen Avantgarde

Mehrfach reiste Paula von Worpswede nach Paris, besuchte Zeichenkurse, Museen, Galerien, Privatsammlungen und Künstlerateliers. Vor allem das Werk Cézannes beeinflusste sie, mit Van Gogh verband sie die Dynamik der Flächen. 1903 besuchte sie zusammen mit Rilke, damals Privatsekretär des Bildhauers Auguste Rodin, dessen Atelier-Schlösschen in Meudon, wo die Modelle nackt herumliefen. Sie bewunderte den Bildhauer für seine Linienführung und sein Erfassen der Figur aus der natürlichen Bewegung heraus, ein Vorgehen, das die Brücke-Künstler fünf Jahre später übernahmen. Zeitweise ließ sich Modersohn-Becker auf die Farbigkeit Gauguins ein, kritisierte sich aber wenig später selbst dafür, denn Gauguins leuchtende Farben entsprachen nicht ihrer Ausdrucksweise. Sie verdichtete konsequent Farben und Formen zu Sinnbildern für Gedanken und Gefühle und übersetzte diese Empfindungen und Stimmungen in toniges Kolorit, in „Farbstimmungen“. Die zeitgenössischen deutschen Künstler waren ihr zu konventionell, zu genau, zu bieder, zu spießbürgerlich oder aber zu grob, zu unfein, zu wüst. Paula wollte in Paris nur die ganz modernen Franzosen sehen. Diese Impulse der internationalen Avantgarde brachte sie von Frankreich mit nach Worpswede – und wurde so, viele Jahre vor den Brücke-Malern – zur Begründerin der Moderne in Deutschland. Mit 30 Gemälden von Modersohn-Becker im Vergleich zu 15 Arbeiten der „Brücke“-Künstler und vielen Leihgaben von gemeinsamen Vorbildern wird im Buchheim Museum die Pionierfunktion dieser jungen Frau eindrücklich erlebbar.