Feldafing: Neue Heimat im königlichen Bahnhof

Stolz ist Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim darauf, was in den letzten Jahren bei der Sanierung des ehemaligen königlichen Bahnhofs und auch beim Umzug des Rathauses in die historischen Räumlichkeiten geleistet wurde. Die Einweihung Anfang Mai war als Feldafinger Festwoche gefeiert worden und stieß bei den Bewohnern und Besuchern auf große Resonanz.

Bahnhoffeldafing Für den Architekten Benedikt Sunder-Plassmann war es eine große Herausforderung, den 1865 während der Regierungszeit von Ludwig II. gebauten königlichen Bahnhof zu sanieren. Das Gebäude gilt als hochrangiges Denkmal. Der damalige Architekt Georg von Dollmann, ein Klenze-Schüler zwischen Klassizismus und Romantik, unterstrich mit der repräsentativen Größe des Bahnhofes die Bedeutung Feldafings. Zusammen mit dem Bahnhof Possenhofen war dies sein erster Bau im Auftrag des Königs, und wie dieser ist er ausgestattet mit Aufenthaltsräumen für die königliche Familie. Dollmann errichtete später noch die Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee und übernahm in Neuschwanstein die Bauleitung.

In Feldafing spielte er mit verschiedenen Typologien: Mit ländlichen und städtischen Elemente sowie mit der sogenannten „Kulissenarchitektur“ mit hohen Portalen und einer symmetrischen Gliederung der Außenfassade. Sunder-Plassmann ließ die später in die Bahnhofshalle eingezogenen Zwischenwände entfernen und die wieder entdeckte Originalbemalung und Ornamentik als gestaltendes Element erhalten. Auch bei der farblichen Ausgestaltung der Räume orientierte sich der Architekt an der originalen Farbgebung.

Café und Bürgersaal in historischen Räumen

Die anspruchsvolle Sanierung mit Gesamtkosten von 3,7 Millionen Euro ist gelungen. Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch sprach bei der Eröffnung gar davon, dass Denkmalschutz und die Ansprüche einer modernen Gesellschaft hier in vorbildlicher Weise Hand in Hand gingen.

Auch bereichert ein neues Café, das Café Max II, mit 35 Sitzplätzen und weiteren 30 Plätzen im Außenbereich das Gebäude. Stolz ist man auch auf den Bürgersaal, der ab Herbst für Jazzkonzerte, klassische Konzerte und Kabarettabende genutzt werden soll. Der Jazzgeiger Max Grosch hat den neuen Veranstaltungsraum in der früheren Bahnhofshalle bereits im April bei der Vorstellung seiner neuen CD eingeweiht. Das lässt hoffen, dass sich hier tatsächlich ein neuer kultureller Treffpunkt entwickelt oder dass der Bahnhof vielleicht sogar der Beginn einer neuen Ortsmitte werden könnte, wie es einige Feldafinger während der Festwoche ausdrückten.