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Marina Thudichum und der Musenkuss
Geschrieben von: Andrea Hähnle
„Gibt es auch Dichterinnen?“, fragte die kleine Marina ihren großen Bruder, denn sie wollte so gerne eine werden. Der antwortete, zum Dichten müsse man von der Muse geküsst werden, einer Zauberin, die man nicht sehen und hören könne. Man spüre nur ihren Kuss. Lange wartete das Mädchen auf diesen Kuss und tröstete sich schließlich: Sicherlich habe die Muse sie im Schlaf geküsst, so dass sie den Kuss nicht habe spüren können.
Die Villa Thudichum

Tutzinger Kinderparadies
Sie lag noch in fernster Zukunft, als das Mädchen auf den Musenkuss wartete, an der Tutzinger Promenade schwimmen lernte, mit den Eltern auf der Ilkahöhe spazieren ging und im Villengarten heimatloses Kind, verfolgte Sklavin, Wildnis, Köhlerleben oder Hexenhaus spielte. Allein, denn die Brüder spielten kaum mit der kleinen Schwester, die Spielwelten und Spielkameraden erfand und sich selbst Geschichten erzählte. Ihre Phantasie sprudelte nur so – eine Begabung, die ihr zugute kam, als sie später in Feldafing als Erzieherin arbeitete. Doch es zog die junge Frau an den Schreibtisch. Erfolgreich. 1935 erschien ihr erstes Buch, “Eine Mädelgeschichte aus Oberbayern”. Als Kinderbuchautorin arbeitete sie in München im Verlag Paul Hugendubel und war von 1961 an für das Kinder- und Jugendbuchprogramm des Ludwig Auer Verlags in Donauwörth zuständig. Auch Lyrik verfasste sie, sowie Theaterstücke und Lieder. Bis heute ist sie in Grundschulbüchern vertreten.
Die Villa Thudichum war schon seit über 60 Jahren nicht mehr im Familienbesitz, als Marina Thudichum 1990 im Tutzinger Krankenhaus der Missionsbendiktinerinnen starb. Nur einen Flügelschlag entfernt von dem Haus ihrer Geburt und der Heimat ihrer ersten Geschichten. In diesem Jahr wäre Marina Thudichum 100 Jahre alt geworden.
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